BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ortsverband Bedburg

Rede von Jochen vom Berg

Klimaanpassung beginnt vor Ort

15.07.26 –

Den folgenden Redebeitrag hielt unser Ratsmitglied Jochen vom Berg anlässlich der Verabschiedung des Nachtragshaushalts 2026 der Stadt Bedburg für die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Er befasst sich mit der kommunalen Klimaanpassung, dem Erhalt von Stadtgrün und konkreten Maßnahmen für ein klimaresilientes Bedburg.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Ratskolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Verwaltungsmitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sehr geehrte Damen und Herren,

es wird Sie sicher nicht überraschen, wenn ich hier die Gelegenheit nutzen möchte, ein Thema anzusprechen, das im Moment für uns alle von besonderer Relevanz ist: die kommunale Klimaanpassung.

Wie ist Bedburg da aufgestellt?
Wir Grünen denken, dass Bedburg in diesem Punkt recht gut dasteht.

Beispiel: Silver-Green. Auf Initiative von Schüler:innen und Lehrpersonal des Silverberg-Gymnasiums soll die Steinwüste des Schulhofs mit Bäumen und Laubengang schattiger und damit wohnlicher und lebensbejahender werden. Rat und Stadtverwaltung unterstützen das Anliegen. Wir hoffen auf eine baldige Umsetzung!

Damit ist ein Anfang gemacht. Danach müsste es mit Tegelwippen auf der riesigen versteinerten Fläche zwischen Gymnasium, Real- und Hauptschule weitergehen!

Das Tegelwippen wurde von Menschen in den Niederlanden erfunden und bedeutet, dass die Einwohner in den Ortschaften und Städten sich das Recht nehmen, Pflastersteine zu entfernen und durch Pflanzenbeete und Baumscheiben zu ersetzen. Das ist gut gegen die Hitze und effektiv bei Starkregen. Es gibt in den Niederlanden bereits einen regelrechten Wettbewerb der Städte untereinander, wer die meisten Flächen entsiegelt.

Die Aktionen werden von den Stadtverwaltungen unterstützt, indem diese das herausgehobene Material entfernen und Pflanzerde und Pflanzgut heranschaffen. Unser Aufruf an die Schulgemeinschaften: Wippt das Pflaster, sorgt für Hitze-Resilienz!

Noch ein weiteres positives Beispiel für die Klimaanpassung in Bedburg, wir bleiben im Schulzentrum: Das Gymnasium braucht dringend einen Erweiterungsbau. Leider steht hier eine von zwei mächtigen, sehr alten Platanen im Weg.  Das sollte in unserer Stadt eigentlich kein Hinderungsgrund für einen Neubau sein.

Wer das denkt, unterschätzt die Flexibilität des Bedburger Planungsamtes! Nach unserer Intervention wurde die Bauplanung so geändert, dass die Platane als gigantischer Schattengeber erhalten bleibt, auch wenn es dadurch teurer wurde! Respekt und danke. Weiter so!

Zumal vor dem Hintergrund, dass auf dem Gelände des Schulzentrums bis zum heutigen Tag ca. 20 Bäume entnommen wurden, ohne sie zu ersetzen. Um mit Nachpflanzungen die Wirkung eines (nur) 30 Jahre alten Baumes zu erzielen - sprich CO²-Aufnahme, Abkühlung durch Verdunstung und dadurch Absenkung der Umgebungstemperatur, Schattenwurf – müssten zum Ausgleich 80 neue Bäume angepflanzt werden!

In Kirchherten steht am Rande einer großen Fläche eine ebenfalls uralte Eibe, ein wunderbarer Baum, ein Prachtexemplar. Die Freifläche soll mit einem Spielplatz ausgestattet werden. Hier stehen sogar noch weitere Bäume, also ideale Voraussetzung für den Hitzeschutz der Kinder. Nur, Eiben sind giftig, und stellen damit eine potentielle Gefahr für die Kinder dar. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich neben dem geplanten Spielplatz ein Kindergarten befindet und die Eibe vom Kindergarten aus z.Zt. frei zugänglich ist. Um die Kinder von der Eibe fernzuhalten, bräuchte man eigentlich nur eine kleine, undurchlässige Hecke im Halbkreis anzupflanzen (sie steht dicht vor einer Mauer) oder einen Zaun zu setzen. Eibenschutz = Klimaschutz bedeutet eben auch Kinderschutz, jetzt und für die Zukunft. Wir vertrauen auch in diesem Fall auf Ihre, bei der Platane nachgewiesene, Flexibilität, liebes Planungsamt!

Vergangenen Dienstag haben wir in der Stadtentwicklungsausschutzsitzung, auf Nachfrage, von Herrn Stamm erfahren, dass Bedburg im Rahmen des Gigawattpaktes Gelder zur Errichtung von Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden akquiriert hat.

Der Gigawattpakt ist ein Fördertopf des Landes NRW für das Rheinische Revier, über den die Kosten der Anlagen zu 97% gedeckt werden. Wenn hierdurch alle Bedburger Schulen und Kitas, die Begegnungsstätte in Kaster und der städtische Teil der Tennishalle mit Photovoltaik ausgestattet werden  würden, dann wären wir in der Lage, Klimaanlagen in all den genannten Gebäuden mit kostenlosem Strom zu versorgen. Das wäre ein weiterer, bemerkenswerter Schritt hin zu kommunaler Klimaanpassung! Leider war aber nur von zwei Gebäuden die Rede, für die die Mittel beantragt wurden und die Antragsfrist ist mit Ende letzten Monats ausgelaufen. Sollte es eine irgendwie geartete Neuauflage diese Förderung geben, zögern Sie nicht, liebe Verwaltung, das Projekt fortzuführen.

Eine zeitnahe Umsetzung unseres, vom Rat einstimmig mitgetragenen Antrages, zur Verschattung öffentlicher Parkplätze auf dem Stadtgebiet durch Solaranlagen, folgt demselben Plan. Gut, „zeitnah“ ist ein relativer Begriff, den kann man so oder so auslegen: der Antrag wurde am 07.12.2020 gestellt und die Hitze hat seitdem heftig zugelegt, passiert ist diesbezüglich bis heute gar nichts!

Herr Tempelmann hatte die Idee, im Baugebiet Pfarrer-Bodden-Straße einen Pocket-Wald anzulegen und den Kirdorfer Bürgerplatz als Park in das Baugebiet hineinzuziehen. Dieser phantastische Impuls sollte Anstoß sein, das ganze Areal, das nun nicht mehr bebaut werden soll, als Waldfläche zu planen. Raum für die vielen ausstehenden Ersatzpflanzungen.

„Ein Baum ist die beste Klimaanlage! Bäume sind unverzichtbar für ein gesundes Stadtklima!“ Hat uns Frau Völker vom Deutschen Institut für Urbanistik (DIfU) im SEA eindringlich klar gemacht. Wir müssen das, insbesondere mit Blick auf kommende Generationen, sehr ernst nehmen.

Da, wo wir vor 10 Jahren einen Wald vorgeschlagen haben, ist jetzt eine Aschedeponie, die immer weiter wächst, da kann bestimmt kein Baum mehr wachsen! Schade!

Wir bleiben trotzdem zuversichtlich!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und genießen Sie den Klimawandel!

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