
08.06.26 –
Das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik, von manchem als „Filet-Stück der Stadt Bedburg“ bezeichnet, riecht nach acht Jahren Bauplanung zum neuen Wohnquartier inzwischen doch etwas arg muffig!
Dieser Artikel erschien am 6.06.2026 als gemeinsamer Beitrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Bedburg und der Partei Freie Demokratische Partei (FDP) Bedburg in der 11 Ausgabe der Bedburger Nachrichten.
Dieses Gelände, umbenannt in das Baugebiet „Bedburg Erftaue – ein innovatives Stadtkonzept“, wurde in der Vergangenheit von der ehemaligen Zuckerfabrik für Klärteiche genutzt. Hier wurde das für die Rübenwäsche benötigte Wasser in riesige Becken gepumpt, damit sich die darin befindliche Rübenanhafterde absetzen kann. So entstand in Jahrzehnten eine mehrere Meter dicke Schicht aus Erde mit organischen Anteilen, die nach wie vor Methangas produziert und keine Stabilität hat.
Gemäß vorliegender Gutachten ist der Untergrund in dieser Form für eine Wohnbebauung ungeeignet. Deshalb werden seit 2009 Versuche unternommen, auf Biegen und Brechen eine Lösung zu finden.
Nach mehreren Bodengutachten und fachlichen Hinweisen, unter anderem von RWE, von einer Bebauung abzusehen, wurden immer neue haarsträubende Ideen zur Stabilisierung im Stadtrat präsentiert.
Für eine Nutzung zur Wohnbebauung muss das vorhandene Material vollständig ausgetauscht werden. Der Versuch des Unternehmens, der Domus Immobilien AG, die matschige Rübenanhafterde auf die Äcker jenseits der B361n zu entsorgen, scheiterte am Veto der Unteren Wasserbehörde des Rhein-Erft-Kreises. Genauso wenig gelang der Plan, die 1,6 Millionen Kubikmeter Glibbermasse mit 75.000 Lkw-Fahrten in die Tagebaue zu kippen. Niemand will den belastenden Boden.
Der jetzige Ansatz gipfelt nun in dem Versuch, den nicht tragfähigen Untergrund mit Hausmüllverbrennungsasche (HMVA) in völlig überdimensionierten Mengen von 345.000 Tonnen (entsprechen dem Gewicht von ca. 225.000 Mittelklasseautos bzw. zweimal dem Kölner Dom) zu stabilisieren. Ein entsprechender Antrag wurde vom Investor bei der Unteren Wasserbehörde des Rhein-Erft-Kreises gestellt und die Genehmigung wurde tatsächlich erteilt.
Bis heute sind 60.000 Tonnen HMVA aus einer Müllverbrennungsanlage auf das Zuckerfabrikgelände gebracht worden. Was aussieht wie ein Flughafen (vgl. Abb. 1), sind die metertief eingelassenen und verdichteten Aschetrassen.
Dieses Verfahren ist ausschließlich für die Festigung von Straßen zugelassen. Gemäß den Recherchen von Dennis Vlaminck vom Kölner Stadt-Anzeiger sind somit 90 Prozent der Straßen fertiggestellt.
Daraus ergibt sich folgende Rechnung:
345.000 Tonnen minus 60.000 Tonnen bereits eingebauter Asche ergeben satte 285.000 Tonnen HMVA, die noch angeliefert werden sollen. Es ist sehr schwer, sich diese Menge vorstellen zu können. Deshalb gehen wir eher von einer Deponierung als von einer Befestigung aus. Da stellt sich die Frage, was das Unternehmen mit diesem Material vorhat, wenn doch zur endgültigen Fertigstellung der Straßen nur noch zehn Prozent, also 6.000 Tonnen, nötig sind?
Es liegt nahe, dass die 285.000 Tonnen HMVA für die vom Investor angekündigte Erhöhung der Gesamtfläche vorgesehen sind. Der Domus-Vorstand, Florian Funken, spricht von der Auffüllung einer Senke und von der Modellierung eines Hochpunktes, von dem das Wasser abfließen kann. Das ließe sich mit der gigantischen genehmigten Menge an HMVA sicher wunderbar ausführen. Auf diese Weise lässt sich die mehr als eine Jahresproduktion einer Müllverbrennungsanlage problemlos und preiswert deponieren.
Der Haken: HMVA, als Ersatzbaustoff eingesetzt, muss wasserundurchlässig sein. Das bedeutet, es braucht eine Deckschicht. Darauf lässt sich kaum ein Garten anlegen. Am Ende erscheint es allerdings auch mehr als fraglich, ob jemand sich überhaupt vorstellen möchte, auf einer Aschedeponie sein Haus zu errichten.
Der Umgang und die Handhabung mit den schon verkippten ca. 60.000 Tonnen entspricht nicht den gültigen Vorschriften, wodurch es zu Staubbelastungen für die Bevölkerung kommt. Es ist zudem völlig unklar, wie es mit den Emissionen aussieht. In dieser Zusammensetzung sehen wir das Vorgehen sehr kritisch und kommen zu dem Entschluss, dass das für uns nicht länger hinnehmbar ist.
Im Rahmen unserer Recherchen mussten wir zudem feststellen, dass auf dem Gelände Bauschutt abgekippt worden ist und ein Entsorgungsunternehmen aus Köln mit einem Banner vor Ort wirbt. Ein „Weiter so“ kann und soll es aus unserer Sicht nicht geben, auch Genehmigungen können das hier angewendete Verfahren nicht rechtfertigen.
Eine Wohnbebauung haben wir von Anfang an aus den vorliegenden Gründen abgelehnt. Jetzt kommt die Frage der Haftung hinzu. Wer steht am Ende für das alles gerade?
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