BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ortsverband Bedburg

Naturschutzverbände kritisieren die geplanten Diesel-Notstromaggregate und fordern eine Prüfung von Alternativen

Microsoft-Rechenzentrum in Bedburg: Bis zu 72.000 Tonnen CO₂ pro Jahr

02.11.26 –

Der US-Konzern Microsoft baut seine deutsche KI-Infrastruktur weiter aus und investiert rund 3,2 Milliarden Euro ins Rheinische Revier – auch in Bedburg. Im Presseportal verspricht das Unternehmen „heimische Lebensräume“ und „ökologische Verbindungskorridore“. Doch auf unsere Detailanfrage möchte Microsofts Pressebüro nicht antworten. Und auch bei der Notstromversorgung des Rechenzentrums kommen Fragen auf.

UVP-Bericht veranschlagt bis zu 72.360 Tonnen CO₂ pro Jahr

Als Teil des Genehmigungsverfahrens wurde eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt – das Ergebnis ist der „UVP-Bericht“. Dazu haben die anerkannten Naturschutzverbände NABU, BUND und LNU NRW Stellung bezogen. Sie kritisieren, dass Microsoft 66 Dieselaggregate beantragt hat. Im im UVP-Bericht betrachteten Betriebsszenario könnten diese jährlich rund 72.360 Tonnen CO₂ ausstoßen – vergleichbar mit den gesamten Jahresemissionen einer Kleinstadt wie Bedburg.

Naturschutzverbände wehren sich gegen Diesel-Notstrom

Zu Recht haben die anerkannten Naturschutzverbände NABU, BUND und LNU NRW im Genehmigungsverfahren Einwände angemeldet. Die Verbände kritisieren, dass Alternativen wie Batteriespeicher nicht ernsthaft geprüft worden seien und fordern, „die Genehmigung einer fossilen Notstromversorgung in der beantragten Form zu versagen und vom Vorhabenträger ein fossilfreies Energie- und Notstromkonzept zu verlangen.“

Microsoft selbst betont, dass Alternativen zu Diesel-Backups ein wichtiger Schritt hin zur eigenen CO2-Neutralität seien. Und nachhaltigere Lösungen sind möglich – die Naturschutzverbände stellen das Bedburger Projekt anderen Microsoft-Rechenzentren gegenüber:

 

Stackbo, Schweden

Dublin, Irland

Bedburg (geplant)

Technologie (NDMA)

Batteriespeicher

(BESS)

Grid-Interactive

UPS (Li-Ion)

Diesel-

Notstromaggregate

CO2-Emissionen

Null

Null

~72.360 t CO2/Jahr

Überbrückungszeit

80 Minuten

variabel

bis zu 400 h/Jahr

Zusätzlicher Nutzen

Netzstabilisierung,

Black-Start

Netzeinspeisung

bei Spitzenlast

keiner

Zielsetzung

Diesel-Phase-out bis

2030

Diesel-Phase-out

bis 2030

keine Phase-out-

Strategie

Tabelle 1: Vergleich der in Bedburg geplanten Netzersatzanlage mit denen in anderen Microsoft-Rechenzentren (Quelle: entnommen aus dem Schreiben des Landesbüros der Naturschutzverbände NRW)

Dazu kommt: Microsoft beantragt bis zu 400 Stunden Betriebszeit pro Jahr, zusammengesetzt aus 50 Stunden Test- und 250 bis 350 Stunden Notstrombetrieb. Dabei lag die tatsächliche Unterbrechungszeit in Deutschland 2024 bei 12 Minuten je Anschluss. Die Naturschutzverbände schlussfolgern: „Der angenommene Notbetrieb liegt damit um mehr als das Tausendfache über der statistisch zu erwartenden Ausfalldauer.“

Weil dazu enorme Mengen Kraftstoff benötigt werden, beantragt Microsoft ebenfalls die Errichtung von Tanks für 2,4 Millionen Liter Diesel/HVO. Und das in der Kölner Bucht – einer der aktivsten Erdbebenregionen Deutschlands. Rechnerisch entspricht die Menge knapp 20 % des Jahresverbrauchs aller Bedburger Bürger:innen.

In Irland und Schweden setzt Microsoft laut Verbänden emissionsfreie Lösungen ein

Microsoft habe selbst bewiesen, dass es anders geht. Denn in Irland und Schweden setze der Konzern bereits auf moderne Lösungen, so die Umweltverbände.

Folgerichtig fordern sie, „eine vollständige und ergebnisoffene Prüfung aller technisch machbaren Alternativen durchzuführen“. Und gehen weiter: „Microsoft muss darlegen, warum in Deutschland eine Technologie eingesetzt werden soll, die in anderen europäischen Ländern bereits durch klimafreundliche Alternativen ersetzt wurde“ – dem schließen wir uns an.

Microsofts Grünkonzept für Bedburg bleibt unklar

Im Presseportal wirbt Microsoft mit seinem Biomimikry-Ansatz: „An dem geplanten Standort in Bedburg umfasst das Konzept beispielsweise die Schaffung heimischer Lebensräume, Feuchtgebiete und Regenwasserrückhaltesysteme, ökologische Verbindungskorridore sowie bepflanzte Sichtschutzmaßnahmen“, so Microsoft in einem Blogbeitrag.

Wir wollten wissen, welche konkreten Planungen dahinterstehen und inwieweit sie über die rechtlich verbindlichen Vorgaben des Bebauungsplans zu Starkregenvorsorge, Artenschutz und Begrünung hinausgehen. Eine Antwort von Microsoft haben wir seit dem 18. September nicht erhalten. Deshalb bleibt offen, was das Unternehmen an unserem Standort tatsächlich plant.

Einwände werden in Erörterungstermin beraten

Auch die Naturschutzverbände verlangen im Genehmigungsverfahren nachvollziehbare Antworten – vor allem dazu, warum Microsoft in Bedburg Dieselaggregate vorsieht und welche Alternativen geprüft wurden. Ihre Einwendungen sollen beim Erörterungstermin am 10. November 2026 um 10:00 Uhr im Restaurant „Bedburger Mühle“ beraten werden. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können dort die Diskussion verfolgen.


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