Vier Probleme bei der Entwicklung des ehem. Zuckerfabrikgeländes sind vier Probleme zu viel!

Auch wenn wir schon wiederholt über die Entwicklung des ehemaligen Zuckerfabrikgeländes gesprochen haben, melden wir Grüne uns in der 25. Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses erneut zu Wort: 4 Probleme bei der Entwicklung des ehemaligen Zuckerfabrikgeländes sind 4 Probleme zu viel! Getreu dem Motto, „steter Tropfen höhlt das Hirn“ fassen wir zusammen:

Erstes Problem: Der schwierige Untergrund. Wie wir allen wissen, haben zwischen 1997 und 2018 inzwischen drei Gutachter, unabhängig voneinander und mit unterschiedlichen Motiven das Gelände untersucht. Erstaunlicherweise ist man immer wieder zum gleichen Ergebnis gekommen: Der Boden ist für eine Bebauung ungeeignet, da er nur eine sehr geringe bis gar keine Tragfähigkeit besitzt. Dies ist damit ein gutachterlich bestätigter Fakt. Technisch wäre dieses Problem „Untergrund“ bei akkurater und risikoloser Umsetzung theoretisch in den Griff zu bekommen. Daher ist die Erschließung und Vermarktung für den sog. „Investor“, der Sybac Solar GmbH, zwar mit hohen Investitionskosten verbunden, aber dank des fast schon geschenkten Grunds immer noch ein sehr lukratives Geschäft. Für die Stadt sieht es aber anders aus. Denn die Straßen und Kanäle müssen nach ihrer Fertigstellung durch den Investor in den Besitz der Stadt übergehen. Daher sollte im Eigeninteresse der Stadt eine permanente Überwachung der Baustelle gegeben sein. Aber wie soll dies organisiert werden?
Hier in Bedburg müssen wir leider davon ausgehen, dass der Investor zwar satte Gewinne macht, der Stadt die Behebung der Folgeschäden aber nicht bezahlen wird – denn dass der Untergrund schwierig ist, liegt allen Verantwortlichen durch die Gutachten schriftlich belegt schwarz auf weiß vor. Nebenbei bemerkt ist das Gelände, welches der Stadt selbst gehört, das Gelände mit den schwierigsten Bodenverhältnissen. Wir halten die Realisierung dieses Projekts daher in hohem Maße für verantwortungslos.

Zweites Problem: Der mysteriöse Partner.
Ein führender Mitarbeiter der Sybac, Herr Rautenberg, hat nach monatelangem „Investorauftreten“ urplötzlich selbst öffentlich eingeräumt, dass das Unternehmen gar kein Investor ist, sondern lediglich Projektplaner. Weiterhin werden Aussagen zur eigenen Liquidität der Sybac den Stadtverordneten, die über dieses gigantische Projekt entscheiden sollen, verweigert – und dies bei einer Projektsumme von 300 Mio €! Auch gibt das Unternehmen auf beharrliches Nachfragen öffentlich zu, über keinerlei Erfahrungen solcher Projektgrößen zu verfügen.
Eine Zusammenarbeit mit diesem Partner ist aus unserer Sicht bisher weder transparent noch vertrauensvoll. Ganz im Gegenteil, jedes Aufeinandertreffen schürt bei uns die Skepsis auf eine erfolgreiche Projektrealisierung.

Drittes Problem: Die große Konzeptlosigkeit.
Unser kritisches Nachfragen nach dem Bedarf (Stichwort Wohnbedarfsanalyse) wurde in der letzten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses (28.06.2018) mit einem Marktbericht der Kreissparkasse Köln versucht zu belegen. Ja, es gibt durch den „Kölneffekt“ eine hohe Nachfrage für Städte aus dem Rhein-Erft-Kreis, nämlich vor allem für Brühl, Pulheim, Hürth, Kerpen und Frechen. Von Bedburg ist in diesem Zusammenhang aber keine Rede. Auch mit einem realisierten S-Bahn-Anschluss ist Bedburg immer noch weiter entfernt von Köln als Hürth oder Frechen! Bis zum Dom braucht man aus Königsdorf mit der S-Bahn gerade ‘mal 15 Minuten; das werden wir in Bedburg nie erreichen.
Bei der Diskussion bleibt zudem völlig unerwähnt, dass Köln selbst neue Stadtteilquartiere für Familien entwickelt, z.B. ganz aktuell in der Ortslage Köln-Rondorf (vgl. Quellenangabe 2). Ein auf den ersten Blick sehr vergleichbares Projekt mit ebenfalls 3.000 Menschen. Ganz zu schweigen von unseren eigenen neuen Baugebieten, wie z.B. dem Sonnenfeld. Herr Speuser (CDU) hat völlig zu Recht davor gewarnt, Bestandsimmobilien, die aufgrund des demografischen Wandels frei werden, außer Acht zu lassen, Angebot und Nachfrage müsse „gut austariert“ werden.
Wenn das Projekt „Zuckerfabrikgelände“ aber tatsächlich erfolgreich realisiert würde, würde Bedburg um 16 % wachsen. Gigantisch. Wir fragen uns, wo diese Masse an Menschen - ausgerechnet nach Bedburg - herkommen soll?
Auch haben wir Stadtverordnete noch keinerlei Informationen darüber erhalten, wie die mehreren tausend zukünftigen Stadtteilbewohner „des Zuckerbergs“ in die Stadt Bedburg integriert werden sollen. Ein Konzept zu diesem Aspekt fehlt gänzlich.
Seit den ersten Projektvorstellungen Ende 2017 ist zudem seitens der Stadtverwaltung beabsichtigt, die Kosten zur Durchführung der Planung und der Erschließung sowie deren Abwicklung im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages zwischen der Sybac und der Stadt Bedburg zu regeln. Es gibt sehr viel zu regeln. Aber bei der Absicht eines städtebaulichen Vertrags ist es leider bis heute geblieben. Bis heute haben die Stadtverordneten keinerlei verlässliche Informationen darüber, wie die kommunalen Versorgungseinrichtungen (Kindergarten, Grundschule) durch die Sybac re-finanziert werden sollen und welche Auflagen die Sybac bei der Errichtung der Straßen und Kanäle erfüllen muss. Wir müssen uns leider wiederholen: Ein Konzept auch zu diesem Aspekt fehlt gänzlich.
Die Planung sieht neben Reihenhausquartieren und großzügig angelegten Stadthäusern eine angemessene Bebauung unterschiedlicher Geschossigkeit vor. Bei der Suche nach Standorten für die Flüchtlingsunterkünfte haben wir im Stadtrat bewiesen, dass wir sehr umsichtig mit solchen sensiblen Themen umgehen. Verwaltung und Stadtrat haben gemeinsam eng zusammengearbeitet. Unabdingbar in solchen sensiblen Themen. Bei der Entwicklung des Zuckerfabrikgeländes gewinnen wir den Eindruck, dass es nur darum geht, das Projekt schnell durchzudrücken.
Über „angemessene“ Geschossigkeit diskutieren wir nicht. Dies ist offenbar auch nicht gewollt. Im Gegenteil, wenn Willy Hoffmann von der FDP die Bevölkerung über das 13-Etagen-umfassende geplante Hochhaus als „ästhetische wichtige Sichtachse“ informiert, wird er vom Bürgermeister, ohne beim Namen genannt zu werden, gerügt. Jetzt ‘mal Butter bei die Fische bzw. an die Geschossigkeit: In den bisherigen Unterlagen gehen die Planer von 3.000 Bewohnern aus, Herr Solbach spricht an der ein oder anderen Stelle auch gerne stolz von 4.000 Menschen. Nehmen wir einmal die 3.000 als Grundlage. Das ist Masse genug! Nach grobem Überschlagen haben wir anhand der aktuellen Planungen kalkuliert, dass ca. 1.500 Menschen in Reihen- bzw. Stadthäusern leben werden und 1.500 Menschen in mehrgeschossigen Baukörpern untergebracht werden sollen. Andernfalls kommen wir nicht auf 3.000 Menschen. Und andernfalls kommt der Investor auch nicht auf seinen Gewinn – denn der Baugrund ist ja schwierig! Und viele große Blöcke rechnen sich da eher. Leider lehnt die Verwaltung konkrete Zahlen zu Wohneinheiten an dieser Stelle ab und damit auch die offene Diskussion. Wir finden es jedoch wichtig, gerade diese sensiblen Themen zu erörtern! Ist ein gemischtes Publikum von 50:50 ein angemessenes Verhältnis für ein neu zu errichtendes Stadtteilquartier? Wir bezweifeln dies! Das bereits zitierte neue Stadtquartier „Ortslage Rondorf im Kölner Süden“ hat ein Konzept: 30 Prozent der Wohneinheiten sollen öffentlich gefördert werden. In Bedburg suchen wir nach dem Konzept. Auch verzweifelt nach der Offenheit in der Diskussion!
Wobei die Verantwortlichen uns bisher suggerieren, es sei gar nicht so viel sozialer Wohnungsbau. Auch die mehrgeschossigen Baukörper sollen hochwertige Wohnungen beinhalten. Leider zeigen die Erfahrungen mit der Buchenhöhe, einer Hochhaussiedlung, in der Kreisschwesterstadt Horrem oder mit dem Kölnberg, einer Hochhaussiedlung im Kölner Stadtteil Meschenich ganz eindeutig, dass vergleichbare Projekte für Wohnen im gehobenen Standard mit massiver Mehrgeschossigkeit nicht funktionieren.
Sehr anschaulich sind hier die Beschreibungen einer Bewohnerin des Kölnbergs im vergangenen Magazin des Kölner Stadt-Anzeigers (vgl. Quellenangabe 3):
„Als ich klein war, wollte meine Mutter mit mir auf die schönen Spielplätze am Kölnberg. Da waren die Hochhäuser gerade erst gebaut worden. Aber sie durfte nicht rein. Keiner durfte rein. Es sollte ja ein Wohnpark für Ärzte und Rechtsanwälte und so sein. Sehr nobel. Aber das hat nicht funktioniert. Die Wohnungen waren wohl nicht gut genug geschnitten. Die Umgebung zu langweilig. (...) Wir waren sehr stolz, als wir 1986 selbst in eines der Hochhäuser zogen. Wir haben uns mit vielen türkischen Familien angefreundet. (...) Irgendwann wurde es schlechter hier. Leute zogen ein und wieder aus, ein und wieder aus. Leute, die ihren Müll einfach aus dem Fenster schmeißen. (...) Es tauchten Prostituierte auf. (...) Dann auch noch Junkies (...). Einiges hat sich inzwischen gebessert. Es gibt einen Sicherheitsdienst und einen Sperrbezirk. Die Prostituierten sind weg. (...) Die Verwaltung hat nun von zwei Hochhäusern einen Teil der Fläche betoniert, um neue Rattennester zu vermeiden. Dafür sieht man jetzt aber dort auch kein Grün mehr“.
Und zum dritten Mal stellen wir fest: Ein Konzept auch in dieser sehr wichtigen Frage fehlt gänzlich; eine umsichtige und ehrliche Aussprache erfolgt bisher gar nicht.

Viertes Problem: Die gefährdete Wechselkröte.
Herr Chmela, Amphibienspezialist und Leiter der biologischen Station Rhein-Erft-Kreis/Bonn hat auf dem Gelände des ehemaligen Zuckerfabrikgeländes 20 bis 30 Rufe von Wechselkröten identifiziert. Das Vorkommen der Wechselkröten hat eine besondere Bedeutung, da ihr gefährdeter Bestand stark geschützt ist. Nach Einschätzung des Experten ist durchaus zu befürchten, dass durch die Bebauung des Gebietes der günstige Erhaltungszustand der lokalen Population dieser Amphibienart bedroht wird. Ohne hier entsprechenden Ausgleich zu schaffen, lehnen wir die Realisierung dieses Gebietes aus ökologischen Gründen ab – sie ist gar schlicht gesetzlich verboten!

Mit diese Zusammenfassung schließen wir: Anstatt uns immer wieder stoisch die Pläne zur Abstimmung vorzulegen, erwarten wir, dass unsere Bedenken endlich aufgenommen und bearbeitet werden.

Wir sehen viermal tiefrot und sind gegen den Beschluss.

Fraktion Bündnis 90 | Die Grünen im Rat der Stadt Bedburg

 

• Quellenangabe 1: „Verpfuschtes Neubaugebiet in Rostock“ Länderspiegel vom 15. September 2018. • Quellenangabe 2: „Wohnglück am Stadtrand“ von Valerie Herberg in der Rubrik Wohnen & Leben des Kölner Stadt-Anzeigers vom 17./18. November 2018, S. 01. • Quellenangabe 3: „Heimat am Hochhaus“ von Ina Heinrichs im Magazin des Kölner Stadt-Anzeigers vom 17./18. November 2018, S. 15.

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