Haushaltsrede 2015 für die Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen im Rat der Stadt Bedburg

Gehalten von Jochen vom Berg (Fraktionsvorsitzender)

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren.

 

Lassen Sie mich direkt und „schnörkellos“ in medias res gehen:

Da gibt es den Produktbereich 14. Bei dem sträuben sich mir die Haare. Wie kann man einen Produktbereich dermaßen vernachlässigen! Der Produktbereich 14 schreibt zwar als einziger der insgesamt 17 Produktbereiche in unserem Haushalt eine schwarze Null, aber die ist hier völlig fehl am Platze.

Zu Ihrer Information: der Produktbereich 14 behandelt die Umweltschutzmaßnahmen für die Stadt Bedburg und es findet sich nichts darin, gar nichts, nicht eine Zahl, kein noch so kleiner Betrag.

Diese Leerstellen sind für die Grüne Fraktion eine echte Herausforderung. Es wird ja wohl niemand behaupten, dass es gerade in unserer Stadt mit dem Umweltschutz zum Besten steht. Im nächsten Haushalt, Herr Baum, wird der Produktbereich 14 aus seinem Dornröschenschlaf erwacht sein, dafür haben wir mit unseren Anträgen den Weg bereitet.

So soll etwa Bedburg zur klimafreundlichen Stadt aufgewertet werden.

Ein wichtiger Aspekt ist hierbei, Bedburg fahrradfreundlich werden zu lassen. Es muss möglich sein, von jedem Punkt auf dem Bedburger Stadtplan, hindernis- und stressfrei auf einem Fahrrad zum neuen, schicken Bedburger Bahnhof zu gelangen. Und es muss ebenso möglich sein, an diesem Bahnhof sein Fahrrad sicher und geschützt abzustellen. Daran wollen wir arbeiten, sehr gerne mit Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger, etwa in einer Wiederbelebung der Agenda 21 oder an einem Runden Tisch.

Da wir gerade – gedanklich – vor dem Bedburger Bahnhof stehen: Woher stammt eigentlich die Idee, hier vier blaue Blechkisten aufzustellen? Und wem haben wir das zwischen Kreisel und Bahnsteig befindliche Schotterquadrat zu verdanken? Diese beiden negativen Eyecatcher am Eingangstor zu unserer Stadt führen zu starkem Grummeln in unserer Bürgerschaft.

Und darüber freue ich mich!

Denn wir wünschen uns für Bedburg den Slogan: „Nimm Deine Stadt wahr“.

Und sag, was Dir gefällt, beziehungsweise zeige uns die Schandflecken. Auf dass wir Bedburg attraktiver machen.

Die Grüne Fraktion hat in diesem Zusammenhang eine ganze Reihe Ideen eingebracht. Es gibt den Vorschlag, im ganzen Stadtgebiet Blühstreifen anzulegen: Stellen Sie sich nur einmal das eben beschriebene triste, kalte, graue Quadrat vor dem schönen neuen Bahnhof als bunte Blumenwiese vor, wird es Ihnen dabei nicht auch ganz warm ums Herz? Hören sie nicht die Bienchen summen, denen es in unserer verbauten Welt zunehmend an Nahrungsquellen fehlt? Und das ist nicht allein für die Bienen bedrohlich, von diesen kleinen Tierchen hängt in hohem Maße auch unser Wohlergehen ab!

Unser Antrag zur Ausweisung einer städtischen Fläche für eine ‚Storchenwiese‘ fand bereits auf Anhieb bei allen Fraktionen breite Zustimmung. Darüber sind wir sehr froh. Bei einer Storchenwiese haben Eltern, Paten oder wer immer seine Freude über die Geburt eines Kindes zum Ausdruck bringen will, die Möglichkeit einen Baum zu pflanzen. In Bergheim wird von diesem Angebot bereits rege Gebrauch gemacht. Die Nachfrage nach Pflanzmöglichkeiten ist dort größer als das Angebot, wie gestern im KStA zu lesen war.

Dies kann für Bedburg der Beginn eines Aufforstungsprogramms sein. In dieser Stadt fehlt es eindeutig an Waldgebieten. Deshalb unterstützen wir auch gerne den Antrag der generation bedburg , zwischen Kasterer See und Industriegebiet Mühlenerft wo es möglich ist, Bäume anzupflanzen.

Einstimmige Zustimmung fand auch unser Antrag, Bedburg als „Essbare Stadt“ auszuweisen. Danke dafür. Die „Essbare Stadt“ ist eine Einladung an ihre Bürgerinnen und Bürger, sich statt ausschließlich an Blumenrabatten zu erfreuen, Erdbeeren, Salat oder Zwiebeln beim Wachsen zuzuschauen.

In Andernach, als Beispiel, lässt die Stadtverwaltung mitten in der Stadt Gemüse, Obst und Kräuter anbauen, jeder darf sich bedienen. So werden öffentliche Parks und Grünanlagen zum Garten für die Bürger. Das Schild „Betreten verboten“ wird durch den Hinweis ersetzt: „Pflücken erlaubt“.

Das fühlt sich doch ganz anders an!

Selbst unserem Wunsch, in Bedburg ein Naturbad zu initiieren, wurde im HFA mehrheitlich entsprochen. Nicht nur wir vom Bündnis glauben, dass die Umsetzung dieser Idee für unsere Stadt ein echtes Highlight wäre. Baden in chemie- und chlorfreiem, weichem, sauberem Wasser, unter freiem Himmel, das wäre traumhaft. Auch das würde die Attraktivität Bedburgs erhöhen.

 

Herr Bürgermeister, meine Damen und Herren,

dies ist der erste Haushalt, an dem wir als Grüne Fraktion mitgestalten dürfen. Wir haben uns zunächst auf die so genannten weichen Faktoren konzentriert, die Faktoren, die den Menschen ins Auge fallen, die das Bild einer Stadt bestimmen, die für Unternehmen und Neubürger oft der Impuls sind, sich hier und nicht woanders anzusiedeln.

Zu den anderen relevanten Themen haben meine Vorredner schon einiges gesagt, ich muss mich dazu nicht auch noch äußern. Es ist vieles im Fluss und wir gestalten gemeinsam.

Die breite Zustimmung, überhaupt die sachliche und konstruktive Diskussion im neuen Rat über alle eingebrachten Anträge stimmt uns zuversichtlich. Wir haben das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind.

Wir alle hier im Rat haben Verantwortung für die Stadt und ihre Bevölkerung übernommen. Aber nicht nur für die amtlich gemeldeten, sondern für alle Bewohner in Bedburg, deren Zahl in den letzten Monaten krisenbedingt ständig zunimmt.

Vor ein paar Tagen hat Herr Karren in kleiner Runde etwas, für mich Bewegendes, gesagt. Er erzählte, wie er syrische Kinder vor dem Toom-Markt beobachtet habe, wie sie bei schönem Wetter die Wegplatten mit Straßenkreide bemalten. Dabei sei ihm der Gedanke gekommen, dass sie das jetzt hier unbeschwert machen können, ohne Angst davor haben zu müssen, erschossen zu werden.

Mit diesem Bild vor Augen, lohnt sich doch jede Anstrengung!

 

Vielen Dank dafür Herr Karren, vielen Dank meine Damen und Herren für Ihre Aufmerksamkeit.

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